Beim Kämmen der Haare oder beim Blick in den Spiegel eine münzgroße kahle Stelle auf der Kopfhaut zu entdecken, verunsichert viele Menschen. Alopecia areata, im Volksmund auch kreisrunder Haarausfall genannt, ist ein plötzlich beginnendes Bild des Haarausfalls, das in der Regel durch scharf begrenzte Haarverluste auffällt. Dieser Zustand kann nicht nur die Kopfhaut, sondern auch Augenbrauen, Wimpern, Bart und Körperbehaarung betreffen. Die häufigste Frage lautet: Wachsen die Haare wieder nach? Die kurze Antwort ist: Ja, sie können nachwachsen; allerdings verläuft die Erkrankung bei jedem Menschen anders und kann zeitweise wiederkehren.
Alopecia areata ist eine autoimmune Form des Haarausfalls, die die Haarfollikel betrifft. Das heißt, das Immunsystem richtet seine Aktivität, während es weiter gegen Keime kämpft, auch gegen die Haarwurzeln und stört deren Wachstumszyklus. Ein wichtiger Punkt ist hier, dass die Haarfollikel in den meisten Fällen nicht vollständig zerstört werden. Daher zählt Alopecia areata zu den nicht vernarbenden Haarausfallformen, und ein Nachwachsen der Haare kann möglich sein.
Da die Haarwurzel ihre Vitalität weitgehend bewahrt, treten auf der Haut in der Regel keine Verbrennungen, Narben oder dauerhaften Gewebsverluste auf. Von außen betrachtet wirkt die Haut meist normal; lediglich die Behaarung in dem Bereich fehlt. Dieses Merkmal ist der grundlegende Mechanismus, der die Möglichkeit des Nachwachsens erklärt. Dennoch können Faktoren wie die Dauer des Einflusses des Immunsystems auf den Haarfollikel, die Größe der betroffenen Fläche und die Häufigkeit der Rückfälle von Person zu Person variieren.
Am häufigsten sieht man plötzlich bemerkte, runde oder ovale kahle Stellen auf der Kopfhaut. Diese Areale sind meist scharf begrenzt; der Beginn und das Ende des Haarausfalls sind also klar abzugrenzen. Bei vielen Betroffenen ist nicht die Menge der Haare in der Handfläche das erste Auffällige, sondern die gut sichtbare Lücke im Spiegel.
Kreisrunder Haarausfall kann sich nicht nur auf den Kopfbereich beschränken. Auch Augenbrauen, Wimpern, Bart und gelegentlich die Behaarung an Armen, Beinen oder Rumpf können betroffen sein. Besonders der Verlust von Augenbrauen und Wimpern kann wegen der deutlicheren Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes psychisch sehr belastend sein.
In den betroffenen Arealen sind in der Regel keine auffälligen Wunden, Krusten, Sekretionen oder derbe Erhebungen zu sehen. Die Haut kann glatt erscheinen. Dieses Merkmal ist bei der Abgrenzung gegenüber Pilzinfektionen, entzündlichen Erkrankungen der Kopfhaut oder vernarbenden Alopezien hilfreich, reicht aber allein für eine sichere Diagnose nicht aus.
Bei manchen Betroffenen zeigen sich an der Nageloberfläche kleine Grübchen, Ausdünnung oder eine mattere Oberfläche. Wenn Nagelveränderungen gemeinsam mit Haarausfall auftreten, sollte die Situation besonders sorgfältig beurteilt werden. Sie kommen nicht bei allen Patientinnen und Patienten vor; ihr Fehlen schließt Alopecia areata daher nicht aus.
Bei Alopecia areata ist ein Nachwachsen der Haare möglich, und bei einigen Menschen können die Haare auch ohne Behandlung wiederkommen. Der Grund dafür ist, dass die Haarfollikel in den meisten Fällen nicht dauerhaft verloren gehen. Nachwachsende Haare können zunächst dünner, kürzer oder heller gefärbt sein; im Laufe der Zeit können sie ihrer früheren Dicke und Farbe wieder näher kommen.
Dennoch ist ein Nachwachsen der Haare nicht garantiert. Bei manchen Personen erholt sich ein kleiner, begrenzter Bereich rasch, während sich bei anderen neue Areale hinzugesellen oder der Verlust ausgedehnter wird. Bei Beteiligung von Augenbrauen, Wimpern und Bart wird der Verlauf sorgfältiger beobachtet. Ein wichtiges Merkmal der Erkrankung ist zudem ihre Neigung zu Rückfällen. Ein zuvor wieder behaarter Bereich kann erneut ausfallen oder an einer anderen Stelle kann ein neues Areal entstehen.
Wie der Verlauf im Einzelfall sein wird, lässt sich im Voraus nur schwer sicher vorhersagen. Der Umfang des Haarausfalls, seine bisherige Dauer und die Frage, ob weitere behaarte Areale betroffen sind, gehören zu den wichtigsten Punkten, die während der ärztlichen Kontrolle berücksichtigt werden.
Da es sich um einen autoimmunen Prozess handelt, kann Alopecia areata bei einigen Personen gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten. Dies ist nicht bei allen Betroffenen der Fall; dennoch wird dieser Aspekt in der Anamnese stets hinterfragt. Das Vorliegen ähnlicher immunologischer Erkrankungen bei der betroffenen Person oder in der Familie ist für die Beurteilung bedeutsam.
Bei Menschen mit atopischen Erkrankungen wie Ekzemen, allergischer Rhinitis oder Asthma kann kreisrunder Haarausfall ebenfalls vorkommen. Eine direkte, einfache Ursache‑Wirkungs-Beziehung herzustellen, wäre jedoch nicht korrekt. Dennoch kann die Art der Reaktion von Haut und Immunsystem bei manchen Personen mit diesem Krankheitsbild einhergehen.
Viele Menschen glauben, kreisrunder Haarausfall entstehe ausschließlich durch Kummer oder Stress. Tatsächlich ist Stress allein keine ausreichende Erklärung. Zwar bemerken einige Betroffene den Haarausfall nach einer besonders belastenden Phase, das eigentliche Problem ist jedoch die gegen den Haarfollikel gerichtete Immunreaktion.
Alopecia areata ist nicht ansteckend. Sie wird nicht über Handtücher, Kämme, Kissen oder engen Körperkontakt übertragen. In diesem Punkt unterscheidet sie sich von pilzbedingten Infektionen der Kopfhaut, und es besteht kein Anlass für übertriebene Zurückhaltung im sozialen Leben.
Der erste Schritt im Diagnoseprozess ist eine sorgfältige Beurteilung der Form des Haarausfalls und des Aussehens der Kopfhaut. In der dermatologischen Untersuchung werden die Begrenzungen der kahlen Areale, der Zustand der Hautoberfläche, ein möglicher Haarverlust in anderen Regionen sowie begleitende Nagelveränderungen untersucht. Falls nötig, wird mit speziellen Vergrößerungsverfahren der Bereich um die Haarfollikel genauer beurteilt.
Die Ärztin oder der Arzt versucht abzugrenzen, ob es sich um eine Pilzinfektion, eine Trichotillomanie (Haar-Ausreiß-Gewohnheit), einen zugbedingten Haarausfall oder bestimmte vernarbende Haarkrankheiten handeln könnte. Laboruntersuchungen sind nicht bei allen Betroffenen erforderlich; bei Verdacht auf Begleiterkrankungen können jedoch zusätzliche Tests veranlasst werden. Ziel ist es nicht nur, die kahle Stelle zu betrachten, sondern das Ausmaß der Erkrankung und mögliche weitere Probleme zu erfassen.
Die Wahl der Behandlung richtet sich nach der Größe und Dauer des Haarausfalls, dem Alter der betroffenen Person und der Frage, ob Regionen wie Augenbrauen und Wimpern betroffen sind. Bei kleinen, begrenzten Arealen kann in manchen Fällen eine engmaschige Beobachtung ausreichen, da die Haare auch spontan nachwachsen können. Bei ausgedehnteren oder wiederkehrenden Verläufen erwägt die Dermatologin bzw. der Dermatologe verschiedene Therapieoptionen.
Die Erwartungen sollten dabei realistisch sein. Selbst wenn eine Behandlung begonnen wird, sind Geschwindigkeit des Nachwachsens, Beständigkeit der nachwachsenden Haare und Rückfallrisiko nicht bei allen Menschen gleich. Öle, Mischungen oder in sozialen Medien empfohlene Produkte, die angeblich die Haarwurzel stimulieren, können die medizinische Beurteilung verzögern. Besonders bei Beteiligung von Augenbrauen, Wimpern oder Bart oder bei zunehmender Ausdehnung der kahlen Stellen sollte der Arztbesuch nicht aufgeschoben werden.
Bei plötzlich aufgetretenen, scharf begrenzten kahlen Stellen auf der Kopfhaut, sich rasch vermehrenden Arealen oder bei Verlust von Augenbrauen und Wimpern sollte eine dermatologische Fachpraxis aufgesucht werden. Kahlstellen der Kopfhaut bei Kindern sollten ebenfalls ohne Verzögerung abgeklärt werden, da sie beispielsweise auch durch eine Pilzinfektion verursacht sein können. Treten zusätzlich Grübchen an den Nägeln, fleckiger Bartverlust oder eine deutliche Abnahme der Körperbehaarung auf, ist eine ärztliche Untersuchung umso wichtiger.
Kreisrunder Haarausfall verursacht körperlich meist keine Schmerzen; die Veränderung des Aussehens kann jedoch Selbstvertrauen, soziales Leben und Stimmung deutlich beeinflussen. Wenn die betroffene Person ständig das Bedürfnis verspürt, die Haare zu verbergen oder sich schwer tut, zur Arbeit oder in die Schule zu gehen, sollte auch dieser Aspekt in die Behandlungsplanung einbezogen werden. Am sinnvollsten ist es, die Art des Haarausfalls zu klären und den Kontroll- und Behandlungsplan gemeinsam mit einer Dermatologin oder einem Dermatologen festzulegen.