Wenn schnelles und tiefes Atmen plötzlich beginnt, fällt es vielen Menschen schwer zu verstehen, ob es sich um eine Panikattacke, ein Lungenproblem oder um einen herzbedingten Zustand handelt. Hyperventilation ist ein Atemmuster, bei dem der Körper mehr Luft ein- und ausatmet, als er in diesem Moment benötigt. Dabei sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut und es können Beschwerden wie Schwindel, Engegefühl in der Brust, Herzklopfen oder Kribbeln in den Händen auftreten. Obwohl sie häufig mit Stress und starker Angst assoziiert ist, ist nicht jede schnelle Atmung eine Hyperventilation, und nicht jede Hyperventilation lässt sich ausschließlich psychologisch erklären. Insbesondere bei Anfällen, die zum ersten Mal auftreten, sollte die zugrunde liegende Ursache sorgfältig beurteilt werden.
Bei Hyperventilation ist nicht nur die beschleunigte Atmung das Problem; entscheidend ist, dass die aufgenommene Luftmenge den metabolischen Bedarf übersteigt. Die betroffene Person kann in kurzen Abständen sehr häufig atmen, seltener, aber sehr tief atmen oder eine Kombination aus beidem zeigen. Wenn dieses Übermaß den Kohlendioxidgehalt im Blut senkt, verändern sich der Gefäßtonus sowie die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Schwindel, Benommenheit sowie Taubheits- oder Krampfgefühl in den Händen werden durch diesen Mechanismus erklärt.
Tachypnoe bedeutet hingegen lediglich schnelle Atmung. Bei Fieber, körperlicher Belastung, Lungeninfektionen oder Schmerzen kann eine Person schnell atmen; das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Hyperventilation vorliegt. Ebenso kann während einer Panikattacke eine Hyperventilation auftreten, die beiden Begriffe sind jedoch nicht identisch. Eine Panikattacke ist ein Angstsyndrom; Hyperventilation hingegen ist eine Atemreaktion, die aus unterschiedlichen Ursachen entstehen kann.
Eines der häufigsten beschriebenen Symptome ist das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Obwohl die betroffene Person in Wirklichkeit sehr häufig atmet, kann sie denken: „Mir bleibt die Luft weg“ oder „Meine Lunge füllt sich nicht“. Dieses Empfinden kann die Angst verstärken und die Atmung weiter beschleunigen.
Der Abfall des Kohlendioxidgehalts kann zu einem leichten Leeregefühl im Kopf, Unsicherheit beim Gehen oder dem Eindruck führen, als entferne sich die Umgebung. Manche Menschen beschreiben dies als ein Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden. Auch wenn die Beschwerden nur kurz anhalten, sollten sie insbesondere beim ersten Auftreten nicht unterschätzt werden.
Druck, Stechen oder Enge in der Brust sowie das Gefühl eines schnellen Herzschlags können bei Hyperventilation auftreten. Diese Symptome können das Gefühl von Panik verstärken. Dennoch sollten Brustschmerzen nicht allein der Hyperventilation zugeschrieben werden; insbesondere beim ersten Anfall müssen kardiale und pulmonale Ursachen ausgeschlossen werden.
Taubheitsgefühl um die Lippen, Ameisenlaufen an den Fingerspitzen und Kribbeln in den Händen gehören zu den auffälligen Zeichen dieses Krankheitsbildes. Bei manchen Anfällen kann es zu Verkrampfungen der Hände und Füße, unwillkürlichem Einkrallen der Finger oder krampfartigen Muskelverspannungen kommen. Auch wenn dieses Bild die Betroffenen erschreckt, liegt die Ursache meist in der Veränderung des Atemgleichgewichts.
Unter emotionaler Belastung, bei Angst- oder Panikgefühlen kann die betroffene Person unbewusst schneller und oberflächlicher zu atmen beginnen. Wenn sich das Atemmuster stört, treten körperliche Symptome auf, die wiederum die Angst verstärken. Bei häufig wiederkehrenden Anfällen kann ein Hyperventilationssyndrom in Betracht gezogen werden; dies wird meist dann diagnostiziert, wenn keine andere organische Ursache gefunden wird.
Asthmaähnliche Bronchialverengungen, Lungenentzündungen, Erkrankungen der Lungendurchblutung oder andere Zustände mit ausgeprägter Atemnot können die Atemfrequenz erhöhen. Ziel ist hier häufig, den Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Daher ist es nicht richtig, zu sagen: „Ich atme schnell, es ist also nur Stress“.
Eine eingeschränkte Pumpleistung des Herzens, Rhythmusstörungen, ausgeprägter Flüssigkeitsverlust, fieberhafte Infektionen oder Zustände wie Blutungen können ebenfalls das Atemmuster verändern. Während der Körper in solchen Situationen versucht, das innere Gleichgewicht zu bewahren, kann es zu übermäßiger Ventilation kommen. Besonders wenn Herzklopfen, Schwäche und Brustbeschwerden gemeinsam auftreten, ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Starke Schmerzen, Kopfverletzungen, bestimmte Stoffwechselstörungen und Erkrankungen, die das Säure-Basen-Gleichgewicht beeinflussen, können ebenfalls eine Hyperventilation auslösen. Nach intensiver körperlicher Belastung kann eine kurzfristig vertiefte Atmung physiologisch sein; hält sie in Ruhe an, sollte an andere Ursachen gedacht werden. Auch einige regelmäßig eingenommene Medikamente können das Atemmuster beeinflussen, weshalb Arzneimittel nicht ohne ärztlichen Rat abgesetzt werden sollten.
Zu Beginn der Abklärung wird erfragt, wann der Anfall begonnen hat, wie lange er angehalten hat, ob früher ähnliche Beschwerden aufgetreten sind und ob Begleitsymptome wie Brustschmerzen, Fieber, Trauma, Husten oder Bewusstseinsverlust vorliegen. Anschließend werden Atemfrequenz, Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung kontrolliert. Die körperliche Untersuchung liefert Hinweise darauf, ob das Problem eher einem Bild aus dem Bereich Lunge, Herz oder Angst zuzuordnen ist.
Falls erforderlich, wird mittels EKG der Herzrhythmus beurteilt, es kann ein Röntgenbild der Lunge oder eine andere bildgebende Untersuchung angeordnet werden. Eine Blutgasanalyse hilft, die Veränderung des Kohlendioxidgehalts im Blut und das Säure-Basen-Gleichgewicht zu beurteilen. Bei Verdacht auf Infektionen, Blutungen oder metabolische Störungen können zusätzliche Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Das Hyperventilationssyndrom wird häufig erst als Diagnose in Betracht gezogen, nachdem schwerwiegende organische Ursachen ausgeschlossen worden sind.
Grundlage der Behandlung ist die Ermittlung der zugrunde liegenden Ursache. Liegt das Problem im Bereich Lunge, Herz, Infektion, Trauma oder einer metabolischen Störung, wird das Vorgehen entsprechend angepasst. Bei durch Angst oder Stress ausgelösten Anfällen besteht das erste Ziel darin, den Atemrhythmus zu verlangsamen. Statt kurzer, kleiner und unkontrollierter Atemzüge kann es entlastend sein, in ruhigem Tempo durch die Nase zu atmen und dabei das Zwerchfell zu nutzen.
Die Zwerchfellatmung, bei der sich die Bauchregion leicht hebt und senkt, das bewusste Verlangsamen der Atmung durch Zählen sowie das Verlängern der Ausatmung bei entspannten Schultern sind strukturierte Techniken, die bei wiederkehrenden Anfällen hilfreich sein können. Das Erlernen dieser Übungen in einer ruhigen Phase erleichtert ihre Anwendung im Akutfall. Alte Methoden wie das Atmen in eine Papiertüte gelten nicht in jeder Situation als sicher, da sie bei zugrunde liegenden schweren Lungen- oder Herzerkrankungen den Zustand verschlechtern können.
Wenn Anfälle häufiger auftreten, den Alltag beeinträchtigen oder mit ausgeprägter Angst einhergehen, können psychologische Unterstützung und ein Training der Atemwahrnehmung ebenfalls Teil der Therapie sein. Bei manchen Menschen helfen Entspannungsverfahren und Psychotherapie, den Kreislauf aus auslösenden Gedanken und körperlichen Reaktionen zu durchbrechen.
Ein deutlich ausgeprägter Anfall von schneller oder tiefer Atmung, der zum ersten Mal auftritt, kann eine notfallmäßige Abklärung erfordern. Treten Brustschmerzen, starke Atemnot, Blaufärbung der Lippen, Ohnmacht, Bewusstseinstrübung, hohes Fieber, ausgeprägte Blutungen oder ein Kopftrauma hinzu, sollte nicht abgewartet werden. Auch eine rasche Verschlechterung der Beschwerden innerhalb von Minuten ist ein wichtiges Warnsignal.
Hyperventilation steht zwar manchmal im Zusammenhang mit Panik und Stress, jedoch können dieselben Symptome auch bei Lungenentzündungen, Herzerkrankungen oder metabolischen Notfällen auftreten. Auch wenn die Sauerstoffsättigung normal ist, sollten Brustschmerzen oder Ohnmachtsgefühl ernst genommen werden. Insbesondere Menschen mit bestehenden chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen sollten nicht selbst über die Ursache spekulieren, sondern rasch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Wenn die Beschwerden kein akutes Notfallbild darstellen, kann die erste Abklärung über die Innere Medizin oder die Hausarztpraxis erfolgen. Je nach Befund können die Fachbereiche Pneumologie, Kardiologie oder Psychiatrie/Psychotherapie hinzugezogen werden. Es ist nicht sinnvoll, die Anfälle lediglich mit „es ist nur Stress“ abzutun; insbesondere bei wiederkehrenden Beschwerden sollte die zugrunde liegende Ursache geklärt werden. Atemübungen können Nutzen bringen, wenn sie bei der geeigneten Person mit der passenden Technik erlernt werden. Personen mit Brustschmerzen, Ohnmachtsgefühl oder unerklärter Atemnot sollten in jedem Fall in einer medizinischen Einrichtung ärztlich untersucht werden.