Wenn bei Kindern Durchfall auftritt, sorgen sich Familien oft weniger um die Anzahl der Stuhlentleerungen als darum, wie schnell sich der Zustand verändert. Denn während sich einige Kinder in kurzer Zeit erholen, kann sich die Situation bei anderen durch Erbrechen und zusätzlichen Flüssigkeitsverlust verschlimmern. Dieses Krankheitsbild, das medizinisch unter dem Begriff akute Gastroenteritis oder infektiöser Durchfall zusammengefasst wird, steht meist mit Darminfektionen in Zusammenhang. Besonders bei kleinen Kindern ist nicht allein das Vorliegen von Durchfall entscheidend, sondern der Allgemeinzustand des Kindes, die getrunkene Flüssigkeitsmenge, die Harnmenge und begleitende Symptome.
Durchfall bedeutet nicht immer ein medizinischer Notfall; einige Beschwerden sollten jedoch ohne Zögern ärztlich abgeklärt werden. Das wichtigste Risiko besteht darin, dass der Körper den Verlust von Wasser und Mineralstoffen nicht ausreichend ausgleichen kann. Ist das Kind noch klein, tritt zusätzlich Erbrechen auf oder kann es nicht genug trinken, kann sich der Zustand rascher verschlechtern.
Selteneres Wasserlassen, eine über längere Zeit trockene Windel, dunkler gefärbter Urin, trockene Lippen und trockene Mundschleimhaut sowie verminderter Tränenfluss beim Weinen sind auffällige Zeichen für Flüssigkeitsmangel. Kommen dazu noch Abgeschlagenheit, Benommenheit, vermindertes Interesse am Spielen und eine vermehrte Schläfrigkeit, sollte die Situation ernster genommen werden. Bei Säuglingen ist auch ein schwächeres Trink- bzw. Saugverhalten ein wichtiges Warnsignal.
Blut im Stuhl, starke oder zunehmend heftige Bauchschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Unfähigkeit, getrunkene Flüssigkeit bei sich zu behalten, deutliches Fieber und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands sollten nicht als bloßes „Magen-Darm-Virus“ abgetan werden. Auch kalte Hände und Füße, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber und schweres Weckbarkeitsverhalten sind Symptome, die eine umgehende ärztliche Beurteilung erfordern.
Säuglinge verfügen über geringere Körperreserven; daher kann sich ein Flüssigkeitsverlust in kürzerer Zeit bemerkbar machen. Besonders wenn häufige wässrige Stühle, Erbrechen und mangelnde Nahrungsaufnahme zusammentreffen, sollte das Kind durch eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt beurteilt werden. Dauert der Durchfall länger als einige Tage an, tritt er gehäuft auf oder entwickelt sich ein Krankheitsbild, das Wachstum und Gedeihen beeinflusst, sollten auch andere zugrunde liegende Ursachen abgeklärt werden.
Das wichtigste Ziel der häuslichen Betreuung ist nicht, den Durchfall „sofort zu stoppen“, sondern den Flüssigkeitsverlust des Kindes auszugleichen und die Nahrungsaufnahme nicht vollständig zu unterbrechen. Wenn das Kind nicht erbricht, werden kleine, häufige Flüssigkeitsgaben in der Regel besser vertragen. Zu versuchen, auf einmal eine große Menge trinken zu lassen, kann das Erbrechen verstärken.
Die tägliche Trinkmenge, das Auftreten von Erbrechen und die Häufigkeit des Wasserlassens sollten von den Angehörigen beobachtet werden. Selbst ein sehr bewegtes und munter wirkendes Kind kann in kurzer Zeit viel Flüssigkeit verlieren; daher sollte man sich nicht allein dadurch beruhigen lassen, dass es „noch spielt“.
Bei gestillten Säuglingen sollte das Stillen fortgesetzt werden. Bei größeren Kindern ist es sinnvoller, die altersgemäße Ernährung mit leichten, gut verträglichen Mahlzeiten fortzuführen, anstatt sie ganz zu unterbrechen. Fettige, schwere Speisen, lange ungekühlt gelagerte oder in ihrer Hygiene fragliche Lebensmittel sollten gemieden werden. Es ist nicht sinnvoll, ein bestimmtes Nahrungsmittel hervorzuheben und das Kind dazu zu drängen, weil es angeblich den Durchfall „stoppt“.
Die Familie sollte nicht eigenmächtig Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel verordnen. Besonders wenn das Kind bereits eine andere Behandlung erhält oder wenn Erbrechen, Fieber oder Bauchschmerzen hinzukommen, sollte ohne Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt keine Selbstmedikation erfolgen. Nicht jeder Durchfall hat die gleiche Ursache; daher kann eine Behandlung nach Empfehlungen von Bekannten oder mit im Haushalt verbliebenen Präparaten unsicher sein.
Die häufigste Ursache für Durchfall bei Kindern sind Darminfektionen. Dieses Krankheitsbild wird auch akute Gastroenteritis, infektiöser Durchfall oder Darminfektion genannt. Wenn der Darm Wasser nicht ausreichend rückresorbiert, wird der Stuhl wässrig, die Zahl der Stuhlentleerungen nimmt zu und der Körper beginnt Flüssigkeit zu verlieren. Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber und Appetitlosigkeit können ebenfalls hinzukommen.
Virale Gastroenteritis ist eine der häufigen Ursachen im Kindesalter. Dabei können wässrige Durchfälle, Erbrechen, Bauchschmerzen und Abgeschlagenheit gleichzeitig auftreten. Da sie sich in Krippe, Kindergarten, Schule, im Haushalt durch engen Kontakt und über gemeinsam genutzte Flächen leicht verbreiten kann, können in derselben Familie mehrere Personen kurz hintereinander erkranken.
Unzureichend gewaschene Lebensmittel, nicht sachgerecht gelagerte Speisen und verunreinigtes Wasser können ebenfalls Durchfall verursachen. Bei solchen Infektionen kann Fieber ausgeprägter sein; im Stuhl können Schleim oder Blut sichtbar sein. Blutiger Durchfall kann auf ein schwerwiegenderes Krankheitsbild hindeuten und sollte nicht lediglich zu Hause beobachtet werden.
Nicht jeder Durchfall wird durch Keime verursacht. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, neu eingeführte Lebensmittel oder andere Erkrankungen, die den Verdauungstrakt betreffen, können ähnliche Beschwerden auslösen. Dauert der Durchfall an, tritt er häufig wieder auf oder beeinträchtigt er das Wachstum des Kindes, sollte nicht nur auf Infektionen, sondern auch auf andere Grunderkrankungen geachtet werden.
Dafür, dass im Sommer häufiger über Durchfall gesprochen wird, ist nicht ein einzelner Erreger verantwortlich. In warmer Umgebung können Lebensmittel schneller verderben, die Sicherheit von außer Haus verzehrten Speisen kann geringer sein und die Trinkwasserhygiene ist nicht überall gleich gut gewährleistet. Urlaub, Reisen, Menschenansammlungen und Schwimmbadbesuche erhöhen ebenfalls die Ansteckungswahrscheinlichkeit.
Lange Zeit in der Wärme stehende Speisen können das Risiko für Darminfektionen erhöhen. Straßenverkaufte Lebensmittel, nicht sachgerecht gelagerte Milchprodukte und der Konsum unsicheren Trinkwassers gehören zu den häufigen Auslösern von Sommerdurchfällen. Kinder neigen dazu, beim Durst das erstbeste Getränk zu wählen; dies kann das hygienische Risiko erhöhen.
In überfüllten Urlaubsregionen können gemeinsame Toiletten, häufig berührte Flächen und enger Kontakt die Übertragung erleichtern. Die Nutzung von Schwimmbädern ist für sich genommen keine alleinige Ursache, kann aber in Umgebungen mit mangelhafter Hygiene die Verbreitung von Infektionen begünstigen. Im Sommer sind Kinder zudem meist aktiver, und die Händehygiene wird häufiger vernachlässigt, was ebenfalls zu diesem Bild beiträgt.
Infektiöser Durchfall ist meist ansteckend. Der Erreger wird über mit Stuhl verunreinigte Hände auf den Mundweg übertragen. Enger Kontakt zwischen Geschwistern, gemeinsam genutztes Spielzeug, Türklinken, Handtücher, geteiltes Besteck und Gläser sowie unzureichendes Händewaschen nach dem Windelwechsel können die Übertragung beschleunigen.
Wenn das Kind mit Durchfall nach dem Toilettengang die Hände nicht gründlich wäscht, die betreuende Person nach dem Windelwechsel ihre Hände nicht reinigt und gemeinsam genutzte Flächen verschmutzt bleiben, kann es bei Familienmitgliedern nacheinander zu Beschwerden kommen. Besonders jüngere Geschwister sind anfälliger, da sie Spielzeug oft in den Mund nehmen.
Nach dem Toilettengang und vor dem Essen sollten die Hände mit Wasser und Seife gewaschen werden; der Wickelbereich sollte regelmäßig gereinigt werden; rohe und gegarte Lebensmittel sollten getrennt zubereitet werden, und das Trinkwasser sollte sicher sein. Die getrennte Nutzung von Handtüchern, Besteck und möglichst auch der Toilette durch das betroffene Kind kann das Ansteckungsrisiko verringern. Die Rotavirus-Impfung senkt das Risiko für schwere Erkrankungen durch Rotaviren, verhindert jedoch nicht alle Ursachen von Durchfall.