Leistenschmerzen sind eine im Alltag häufig auftretende Beschwerde, die aus verschiedenen Ursachen entstehen kann. Dieser Zustand, der sowohl bei Frauen als auch bei Männern vorkommt, kann von den Muskeln und dem Bindegewebe bis hin zum Verdauungssystem, den Harnwegen oder den Fortpflanzungsorganen unterschiedliche Strukturen betreffen. Dauer, Intensität und begleitende Symptome der Schmerzen können je nach der zugrunde liegenden Ursache variieren. Daher ist es besonders wichtig, anhaltende, wiederkehrende oder den Alltag beeinträchtigende Beschwerden abklären zu lassen.
Leistenschmerzen werden als Missempfindung oder Schmerz im Bereich zwischen Unterbauch und Oberschenkel definiert. Da sich in diesem Bereich Muskeln, Bindegewebe, Nerven, Lymphknoten, Harnwege und Organe des Fortpflanzungssystems zusammen befinden, muss die Schmerzursache nicht immer nur einer einzigen Struktur zugeordnet sein.
Bei manchen Personen treten die Schmerzen plötzlich auf, in anderen Fällen können sie allmählich zunehmen. Es ist möglich, dass sie sich bei Bewegung verstärken, in Ruhe nachlassen oder in andere Regionen ausstrahlen.
Leistenschmerzen können isoliert oder zusammen mit anderen Beschwerden auftreten. Häufig begleitende Symptome sind:
Stechender, ziehender oder brennender Schmerz
In den Unterbauch ausstrahlende Schmerzen
Zunahme der Empfindlichkeit bei Bewegung
Übelkeit
Brennen beim Wasserlassen
Häufiger Harndrang
Bei Frauen können in manchen Fällen Veränderungen im Menstruationszyklus oder vaginaler Ausfluss, bei Männern hingegen eine Druckempfindlichkeit im Leistenbereich als weitere Symptome hinzukommen.
Leistenschmerzen können im Zusammenhang mit verschiedenen Zuständen auftreten, die Muskeln, Bindegewebe, Verdauungssystem, Harnwege oder Fortpflanzungsorgane betreffen.
Eine Überlastung, Dehnung oder Verletzung der Muskeln im Leistenbereich kann bei Bewegung Schmerzen verursachen. Besonders nach intensiver körperlicher Aktivität, plötzlichen Bewegungen oder nach dem Sport können Empfindlichkeit und ein unangenehmes Gefühl in diesem Bereich auftreten.
Intensive körperliche Aktivität
Sportverletzungen
Bestimmte Erkrankungen, die die Organe in der Bauchhöhle betreffen, können Schmerzen in die Leistenregion projizieren. Vor allem Veränderungen der Darmtätigkeit oder entzündliche Prozesse können ein Druck- oder Schmerzgefühl im Unterbauch- und Leistenbereich verursachen.
Verstopfung (Obstipation)
Darminfektionen
Schmerzen, die mit den Harnwegen und den Nieren in Zusammenhang stehen, können manchmal im Leistenbereich wahrgenommen werden. Besonders bei Infektionen oder Steinen können zusätzlich Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder ein allgemeines Missempfinden beim Wasserlassen auftreten.
Harnwegsinfektionen
Nierensteine
Bei Frauen und Männern können Erkrankungen des Fortpflanzungssystems zu Schmerzen im Leistenbereich führen. Diese Schmerzen können teils zyklusabhängig, teils dauerhaft oder wiederkehrend sein.
Endometriose
Eileiterschwangerschaft (extrauterine Schwangerschaft)
Leistenbruch (Hernie)
Es ist zu beachten, dass Leistenschmerzen nicht immer nur eine einzige Ursache haben. Deshalb ist es wichtig, Dauer und Intensität der Schmerzen sowie die begleitenden Symptome gemeinsam zu bewerten.
Bei der Abklärung von Leistenschmerzen bei Frauen werden gynäkologische Ursachen vorrangig in Betracht gezogen. Der Zusammenhang der Schmerzen mit dem Menstruationszyklus, ihre Dauer und begleitende Symptome helfen bei der Beurteilung.
Vor allem ovarielle Ursachen, Endometriose, Infektionen im Beckenbereich oder schwangerschaftsbezogene Prozesse können Schmerzen in der Leistenregion auslösen. Daneben können auch Erkrankungen des Verdauungssystems oder der Harnwege ähnliche Beschwerden verursachen.
Bei Männern werden bei der Beurteilung von Leistenschmerzen das Muskel-Skelett-System, die Strukturen im Leistenbereich und urologische Ursachen gemeinsam berücksichtigt.
Überlastungen nach intensiver körperlicher Aktivität, Leistenbruch, harntraktbezogene Erkrankungen oder Beschwerden, die Hoden und umliegende Gewebe betreffen, können Schmerzen verursachen, die in den Leistenbereich ausstrahlen. Treten die Schmerzen plötzlich auf oder sind sehr stark, sollte die ärztliche Abklärung nicht hinausgezögert werden.
Der erste Schritt bei der Abklärung von Leistenschmerzen besteht darin festzustellen, wann die Schmerzen begonnen haben, wie lange sie anhalten, in welchen Situationen sie auftreten und welche weiteren Symptome vorliegen. Anschließend werden im Rahmen der körperlichen Untersuchung Lokalisation, Ausstrahlung und Befunde im betroffenen Bereich beurteilt.
Je nach klinischer Einschätzung können folgende Methoden eingesetzt werden:
Blutuntersuchungen: Sie können Hinweise auf Infektionen, Entzündungen oder andere systemische Veränderungen geben.
Urinuntersuchungen: Sie helfen bei der Abklärung von Harnwegsinfektionen, Nierensteinen oder anderen Erkrankungen des Harnsystems.
Ultraschalluntersuchung: Eines der am häufigsten verwendeten bildgebenden Verfahren zur Beurteilung des Leistenbereichs, der intraabdominellen Strukturen und bestimmter Ursachen aus dem Fortpflanzungssystem.
Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT): Können nach der Ersteinschätzung bei Bedarf für eine detailliertere Untersuchung eingesetzt werden.
Je nach zugrunde liegender Ursache kann auch eine gemeinsame Beurteilung durch Fachrichtungen wie Innere Medizin, Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe oder Urologie erforderlich sein. Ziel des Diagnoseprozesses ist nicht nur die Linderung der Schmerzen, sondern vor allem die genaue Bestimmung der Schmerzquelle, um eine geeignete Behandlung zu planen.
Der Therapieansatz bei Leistenschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Daher steht im Behandlungsprozess zunächst die genaue Abklärung der Schmerzursache im Vordergrund.
Folgende Maßnahmen können im Rahmen der Behandlung angewendet werden:
Bei muskulär oder bindegewebsbedingten Schmerzen: Ziel ist es, die Belastung der Muskulatur zu reduzieren. In diesem Prozess können Ruhe, eine vorübergehende Anpassung der körperlichen Aktivität und gegebenenfalls physiotherapeutische Maßnahmen empfohlen werden.
Bei Harnwegsinfektionen: Ziel ist die Kontrolle der Infektion sowie die Linderung der damit verbundenen Schmerzen und Miktionsbeschwerden. Der Behandlungsplan wird nach ärztlicher Beurteilung festgelegt.
Bei Schmerzen durch Nierensteine: Die Therapie richtet sich nach Größe und Lage des Steins sowie nach dem Allgemeinzustand der betroffenen Person. In einigen Fällen genügt eine beobachtende Kontrolle, in anderen kann der Einsatz interventioneller Verfahren erforderlich sein.
Bei Leistenbruch: Es ist wichtig, den Druck auf die intraabdominellen Strukturen zu beurteilen. Je nach Beschwerdebild und Untersuchungsbefunden können operative Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden.
Bei fortpflanzungssystembedingten Ursachen bei Frauen: Bei Ovarialzysten, Endometriose und ähnlichen Erkrankungen richtet sich die Behandlung nach Schweregrad und Dauer der Symptome sowie der zugrunde liegenden Ursache.
Auch wenn Leistenschmerzen nicht immer auf einen Notfall hinweisen, erfordern einige Anzeichen eine ärztliche Beurteilung. Besonders in den folgenden Fällen wird empfohlen, eine medizinische Einrichtung aufzusuchen:
Plötzlich einsetzende und starke Schmerzen
Zunehmende Schmerzintensität
Begleitendes Fieber
Brennen oder Blutbeimengung beim Wasserlassen
Unerwartete Blutungen bei Frauen
Deutliche Druckempfindlichkeit oder Schwellung bei Männern
Bei plötzlich einsetzenden, zunehmenden Leistenschmerzen oder bei Beschwerden, die von Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Veränderungen beim Wasserlassen oder Blutungen begleitet werden, sollte die Abklärung nicht aufgeschoben werden.
In manchen Fällen können die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit abklingen. Halten die Schmerzen jedoch länger an, treten wiederholt auf oder beeinträchtigen den Alltag, sollte die Ursache abgeklärt werden.
Die Ursache von Leistenschmerzen kann mit unterschiedlichen Organsystemen zusammenhängen. Eine erste Beurteilung kann in den Fachrichtungen Innere Medizin, Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe oder Urologie erfolgen.
Missempfindungen im Leistenbereich können zu den Symptomen gehören, die in den frühen Stadien einer Schwangerschaft auftreten. Sie gelten jedoch nicht als alleiniges Anzeichen für eine Schwangerschaft. Bei Zyklusverzögerung oder zusätzlichen Beschwerden wird eine ärztliche Abklärung empfohlen.
Eine Zunahme der Leistenschmerzen bei Bewegung kann mit Überlastungen der Muskeln, des Bindegewebes oder der Strukturen im Leistenbereich zusammenhängen. Allein aus der Tatsache, dass sich die Schmerzen bei Bewegung verstärken, lässt sich die Ursache jedoch nicht sicher ableiten. Halten die Beschwerden länger an oder beeinträchtigen sie den Alltag, sollte eine Abklärung erfolgen.
Leistenschmerzen können in manchen Fällen nur auf der rechten oder linken Seite auftreten. Die Lokalisation der Schmerzen kann mit Muskelzerrungen oder mit Ursachen aus dem Verdauungssystem, den Harnwegen oder dem Fortpflanzungssystem zusammenhängen.